Erdwärme

Erdwärme (Geothermie): Heizen und Strom aus dem Erdinneren

Erdwärme, auch Geothermie genannt, ist eine erneuerbare Energiequelle, die aus der natürlichen Wärme des Erdinneren gewonnen wird. Diese Wärme stammt hauptsächlich aus dem radioaktiven Zerfall von Mineralien im Erdmantel und Erdkern sowie aus der Restwärme der Erdentstehung. Anders als Sonne und Wind steht sie rund um die Uhr und ganzjährig zur Verfügung. In dieser Kategorie finden Sie Ratgeber zu Erdwärmepumpen, Tiefengeothermie, Kosten, Förderung und Genehmigung in Deutschland und Österreich.

Oberflächennahe Geothermie: Die Erdwärmepumpe

Geothermische Wärmepumpen nutzen die konstante Temperatur des Erdreichs in geringer Tiefe. Ab etwa zehn Metern liegt sie ganzjährig bei rund 10 °C. Eine Sole aus Wasser und Frostschutzmittel nimmt diese Wärme auf, die Wärmepumpe hebt sie auf ein höheres Temperaturniveau und beheizt damit das Gebäude. Im Sommer lässt sich der Prozess umkehren, sodass die Anlage zum Kühlen genutzt werden kann. Es gibt zwei Bauarten: Erdsonden reichen typischerweise 50 bis 100 Meter in die Tiefe und brauchen wenig Platz. Erdkollektoren liegen horizontal in etwa 1,2 bis 1,5 Metern Tiefe und benötigen eine unversiegelte Fläche, die dem 1,5- bis 2-Fachen der beheizten Wohnfläche entspricht.

Tiefengeothermie und geothermische Kraftwerke

Geothermische Kraftwerke nutzen die Hitze tieferer Schichten der Erdkruste. Das heiße Wasser oder der Dampf treibt Turbinen an und erzeugt Strom, oft zusätzlich Fernwärme. Man unterscheidet trockene Dampfkraftwerke, Flash-Dampfkraftwerke und binäre Kraftwerke, je nach geologischen Bedingungen. In Deutschland kommen wegen der niedrigeren Temperaturen meist binäre Anlagen zum Einsatz. Nach Angaben einer Fachkanzlei sind hierzulande 42 tiefengeothermische Anlagen in Betrieb, 16 weitere im Bau. Das Geothermie-Beschleunigungsgesetz ist seit dem 23. Dezember 2025 in Kraft und soll Verfahren vereinfachen, das Berg- und Wasserrecht bleibt aber maßgeblich. Für das Fündigkeitsrisiko gibt es das KfW-Programm 572 mit bis zu 25 Millionen Euro pro Bohrprojekt. Geothermie und Umweltwärme decken derzeit rund 2 Prozent des Wärmebedarfs, die Projekte könnten künftig 1 bis 2 Gigawatt Wärmeleistung liefern. Mehr dazu finden Sie in der Einordnung von Taylor Wessing.

Effizienz und Kosten einer Erdwärmepumpe

Erdwärmepumpen gelten als besonders effizient. Anbieterangaben nennen für Erdsonden typische COP-Werte von 4,5 bis 5,0, für Erdkollektoren von 4,0 bis 4,5, Luft-Wasser-Wärmepumpen liegen bei 3,0 bis 4,0. Dafür sind die Investitionskosten höher: Für eine Erdsondenanlage inklusive Einbau werden 24.000 bis 50.000 Euro genannt, für einen Erdkollektor 20.000 bis 30.000 Euro. Die Stromkosten im Betrieb liegen nach diesen Angaben bei etwa 700 bis 900 Euro pro Jahr, hinzu kommen Wartungskosten. Die tatsächlichen Kosten hängen von Gebäude, Untergrund und Bohrtiefe ab, daher lohnt sich ein individuelles Angebot.

Förderung in Deutschland

Der Bund fördert den Einbau von Wärmepumpen über die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Es gibt eine Grundförderung von 30 Prozent, dazu kommen Boni, etwa für den Austausch alter Heizungen und für geringere Einkommen. Insgesamt sind nach den meisten Übersichten bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten möglich, die Höchstbeträge sind gedeckelt. Die Bedingungen wurden 2026 angepasst, und die Angaben der Quellen weichen teils ab, besonders bei Boni und förderfähigen Höchstkosten. Prüfen Sie die aktuellen Regeln deshalb vor der Beauftragung bei der KfW und stellen Sie Anträge vor Vorhabenbeginn.

Genehmigung: Das ist zu beachten

Eine Erdsonde braucht eine wasserrechtliche Genehmigung der Unteren Wasserbehörde. Die Bearbeitung dauert laut Anbieterangaben meist vier bis zwölf Wochen. Die Bohrung sollte ein nach DVGW W120 zertifiziertes Unternehmen ausführen. In Wasserschutzgebieten sind Bohrungen oft untersagt, in der Zone III ist eine Einzelfallprüfung nötig. Für Erdkollektoren genügt in den meisten Bundesländern eine Anzeige. Fragen Sie vorab bei Ihrer Behörde nach, welche Regeln vor Ort gelten.

Erdwärme in Österreich

Auch in Österreich werden Erdwärmepumpen gefördert. Der Bund unterstützt über die Sanierungsoffensive 2026 den Tausch fossiler Heizungen auf Wärmepumpe, Nah- oder Fernwärme mit maximal 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Eine Kombination mit Landesförderungen ist möglich. Nach Angaben der Seite sind die Budgetmittel ausgeschöpft, neue Registrierungen sind daher aktuell nicht möglich, bestehende Anträge werden weiter bearbeitet. Der Sanierungsbonus ist seit Februar 2026 ausgelaufen. Für das Beispiel Salzburg nennt ein Medienbericht beim Umstieg von Öl oder Gas auf eine Erdwärmepumpe eine Bundesförderung von 12.500 Euro bei angenommenen Kosten von 45.000 Euro. Die Landesförderungen unterscheiden sich stark, informieren Sie sich bei Ihrem Bundesland.

Für wen lohnt sich Erdwärme?

Erdwärme eignet sich besonders für Neubauten und gut gedämmte Bestandsgebäude mit Fußbodenheizung, weil niedrige Vorlauftemperaturen die Effizienz erhöhen. Entscheidend sind außerdem ausreichend Grundstücksfläche oder Bohrmöglichkeit und ein geeigneter Untergrund. Wer zusätzlich eine Photovoltaikanlage betreibt, kann den Strom für die Wärmepumpe teilweise selbst erzeugen und die Betriebskosten weiter senken. Lassen Sie sich vor der Entscheidung von einem Energieberater die Heizlast berechnen und Angebote für Erdsonde, Erdkollektor und Luftwärmepumpe vergleichen.

Stand: Oktober 2026. Förder- und Rechtslage können sich ändern, bitte prüfen Sie die aktuellen Bedingungen vor einer Investition.

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